Strahlenbelastung durch Ultraviolette (UV) Strahlung
AllgemeinesDas menschliche Auge vermag elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge von etwa 400 nm bis etwa 750 nm als Licht zu registrieren. Dabei erscheint Strahlung mit einer Wellenlänge von 750 nm als rot und die von 400 nm als violett. Ein Nanometer (nm) ist ein milliardstel Meter (10-9m). Strahlung mit einer größeren Wellenlänge als 750 nm wird als Infrarotstrahlung (IR-Strahlung) mit einer Wellenlänge, die kleiner ist als 400 nm, als Ultraviolett Strahlung (UV-Strahlung) bezeichnet. Dabei werden drei UV-Bereiche unterschieden, die physikalisch und biologisch verschiedene Wirkungen besitzen.
Strahlung mit Wellenlängen, die kleiner als 100 nm sind, gehört zur ionisierenden Strahlung, also Röntgen- oder Gammastrahlung. Schwächung von UV-Strahlung in der AtmosphäreEtwa 6% der die Erde treffenden Sonnenstrahlung sind UV-Strahlen. Von der Sonnenstrahlung erreichen im wesentlichen nur sichtbares Licht, UV-A und UV-B die Erdoberfläche. Dagegen wird das UV-C von dem atmosphärischem Ozon völlig absorbiert. Die Schwächung des die Erdatmosphäre treffenden Sonnenlichts besteht aus vielfältigen Absorptions- und Streuprozessen, die sehr stark von der Wellenlänge der Strahlung abhängen.
Aufgrund dieser Tatsachen spielt die Ozonschicht von allen für die Schwächung der UV-B-Strahlung eine entscheidende Rolle. Auch eine starke Verringerung der Ozonschicht würde daher kaum zu einer Erhöhung von UV-C-Strahlung auf der Erdoberfläche führen, da dessen Absorption auch durch weniger Ozon noch effektiv genug wäre. Die UV-A-Strahlung wird, wie erwähnt, vom Ozon nur in einem sehr geringen Ausmaß geschwächt, so dass eine Verringerung der Ozonschicht auch kaum einen Einfluss auf die Intensität des UV-A hat. Anatomie der Haut
Um die biologischen und physiologischen Vorgänge von UV-Strahlung in der Haut zu verstehen, sind einige Kenntnisse über deren Anatomie von Nutzen.
Die Haut des Menschen besteht aus der Oberhaut (Epidermis) und der Lederhaut (Dermis). Unter der Haut liegt die Unterhaut, die Subcutis. Zu den sogenannten Hautanhangsgebilden zählen: Haare, Nägel und Drüsen, wie z.B. die Schweißdrüsen. Oberhaut, EpidermisDie Epidermis wird hauptsächlich von den Epithelzellen, d.h. den Keratinozyten, gebildet. Außerdem befinden sich hier die für die Pigmentierung verantwortlichen Melanozyten sowie Zellen des Immunsystems, die Langerhans-Zellen und Fasern des Nervensystems. An ihrer dünnsten Stelle hat die Epidermis eine Dicke von 0,04 mm. An ihrer dicksten Stelle, wie z.B. Schwielen an den Fußsohlen, ist sie ca. 2 mm dick. Sie ist von innen nach außen in 5 Schichten gegliedert: Regenerationsschicht, Stratum basaleHier erfolgt durch Zellteilung die Neubildung der Keratinozyten. Es dauert ca. 30 Tage bis ein neugebildeter Kerantinozyt aus der Regenerationsschicht bis an die Hautoberfläche, also in die Hornschicht, gewandert ist. Stachelzellschicht, Stratum spinosumIn dieser Schicht sind die Keratinozyten durch bestimmte Strukturen, die Tonofibrillen, netzartig miteinander verbunden. In dieser Schicht kann es bei Hauterkrankungen zu Wasseransammlungen und damit zur Blasenbildung kommen. Körnerschicht, Stratum granulosumDie In dieser Schicht befindlichen Keratinozyten enthalten Keratohyalinkörner. Bestandteile dieser Körner sind dafür verantwortlich, dass auf die Hauto-berfläche aufgetragene fetthaltige Substanzen, z.B. Cremes, in die Haut eindringen können. Stark lichtbrechende Schicht, Stratum lucidumDiese Schicht ist sehr schmal, Zellgrenzen oder Zellkernen sind nicht mehr zu erkennen. Hornschicht, Stratum corneumIn der Hornschicht verbacken die aus den Keratinozyten hervorgegangenen Hornzellen mit Hornsubstanzen der Haut, z.B. Keratin, zu Hornschuppen, die dann abgestoßen werden. Lederhaut, DermisDie Lederhaut unterteilt sich in 2 Schichten: die Papillarschicht (Stratum papillare), die der Epidermis anliegt, und die Geflechtschicht, das Stratum reticulare, die unmittelbar an die Unterhaut angrenzt. Die Lederhaut besteht aus einem dichten Netz elastischer und kollagener Fasern, das der Haut ihre Reißfestigkeit und reversible Verformbarkeit gibt. Aus der Lederhaut von tierischen Häuten wird z.B. Leder gewonnen. In der Lederhaut befinden sich Blut- und Lymphgefäße, Nerven, Zellen der Immunabwehr und eine Vielzahl von Hautdrüsen sowie Haarwurzeln, sowie die Meißnerschen Testkörperchen. Unterhaut, SubcutisDie Unterhaut besteht aus lockerem Bindegewebe sowie Fettgewebe. Sie ermöglicht die Verschieblichkeit der Haut und dient als Fettspeicher und Wärmeisolator. In dieser Schicht kommt es bei Ödembildungen zur Flüssigkeitseinlagerung. Biologische Wirkungen der UV- StrahlungDie Quelle für die natürliche UV-Strahlung ist die Sonne. Auf künstlichem Wege kann UV-Strahlung mit Hilfe spezieller UV-Lampen, z.B. zur Desinfektion in der Medizin oder zur Bräunung in Sonnenbänken, erzeugt werden. Leider strahlen auch Halogen-Lampen UV-Strahlung ab. Wegen der geringen Eindringtiefe von UV-Strahlung in den menschlichen Organismus sind praktisch nur das Auge und die Haut und das Immunsystem betroffen. Dabei müssen akute und chronische unterschieden werden. Aber UV-Strahlung ist für das menschliche Leben auch notwendig und besitzt eine Reihe positiver Wirkungen. Positive WirkungenIn vernünftigen "Mengen" besitzt die UV-Strahlung eine Reihe notwendiger und positiver Effekte. So ist UV-Strahlung für die Bildung von Vitamin D in der Haut erforderlich. Allerdings reicht hierfür bereits eine 10-minütige Sonnenexposition pro Tag aus. Die beiden Vitamine D2 und D3 entstehen dabei mittels des UV-Lichts aus den beiden Provitaminen Ergosterol bzw. 7-Dehydesterol. Vitamin D spielt für den Kalzium-Stoffwechsel eine wesentliche Rolle. Außerdem stimuliert das Sonnenlicht das Immunsystem und fördert das allgemeine Wohlbefinden. In der medizinischen Therapie wird UV-Strahlung u.a. zur Behandlung von Psoriasis und Neurodermitis sowie zum Abbau bestimmter Empfindlichkeitsstörungen verwendet. Schädigende WirkungenAkute FolgenDie akuten Folgen einer zu starken UV-Strahlung können eine Bindehaut- oder Hornhautentzündung des Auges sowie ein Sonnenbrand (Erythem) der Haut sein. Bei stärkerer UV-Strahlung kommt es auf der Haut zur Blasenbildung bis hin zum Absterben von Hautgewebe (Nekrosen). Chronische Folgen, SpätfolgenNach jahrelanger intensiver Einwirkung von UV-Strahlung kann es zu den folgenden dauerhaften und irreversiblen Schäden kommen: Am Auge:Linsentrübungen (Katarakt), degenerative Veränderungen der Bindehaut sowie Retinopathien. An der Haut:Frühzeitige Alterung, Faltenbildung. Diese als "Alterung" der Haut bezeichneten Veränderungen bestehen u.a. in:
Weiterhin kann Hautkrebs entstehen wie ein:
Am Immunsystem: Mutationen Außerdem können DNA-Strangbrüche die Folge sein. Derartige ständig - auch bei normaler UV-Strahlung - stattfindende Veränderungen werden mittels spezieller Reparaturmechanismen repariert. Ein für diese Reparaturen wichtiges Enzym ist die Endonuklease. Messung der UV-Strahlung, UV-IndexVor allem durch das geänderte Freizeit- und Sozialverhalten in den letzten Jahren bedingt, hat sich die Exposition durch UV-Strahlung teilweise erheblich erhöht. Außerdem hat sich - bisher vor allem in der südlichen He-misphäre - die UV-B-Exposition durch die Verringerung der Ozonschicht verstärkt. Unter derselben Adresse lassen sich durch das Anklicken des entsprechenden Menues auch die UV-Indexes für den 21. eines jeden Monats weltweit abrufen. MaßeinheitenIn der biologischen Wissenschaft wird die UV-Strahlung als "Erythemwirksame-Halbstunden-Dosis (hED) angegeben. Diese Maßeinheit gibt an, welche erythemwirksame, also sonnenbrandwirksame, UV-Energie in einer halben Stunde pro m2 auf Meereshöhe auftrifft. Sie wird daher in Joule pro Quadratmeter (J/m2) gemessen. Beispiel: UV-Index und Strahlenbelastung
Schutz vor UV-StrahlungNatürlich besteht der einfachste Schutz vor UV-Strahlung darin, sie möglichst zu meiden. Aber das ist nur begrenzt möglich, da die meisten Menschen sich oft im Freien aufhalten. Es ist außerdem zu bedenken, dass man auch im Schatten aufgrund von Reflektionen UV-Strahlung ausgesetzt ist und dies vor allem auf dem Wasser oder im Schnee. Die Augen werden sehr gut durch Sonnenbrillen geschützt. Dabei allerdings ist dringend darauf zu achten, dass die Gläser auch tatsächlich UV-A und UV-B-Strahlung absorbieren und gross genug sind. Dunkle Gläser ohne ausreichenden UV-Schutz bewirken nämlich das Gegenteil, da durch die erweiterte Pupille mehr UV-Licht eindringt als beim ungeschützten Auge. Die Haut ist entweder durch Kleidung oder - sofern dies nicht möglich ist, wie z.B. beim Gesicht oder in der Freizeit - durch Sonnenschutzcremes bzw. -milch zu schützen. Schutz bei KindernDer kindliche Organismus und damit auch die Haut ist besonders empfindlich gegen Umwelteinflüsse. So ist die Haut von Säuglingen nur 1/10 so dick wie bei Erwachsenen. SonnenschutzfaktorJede Sonnenschutzcreme besitzt einen Sonnenschutzfaktor, der auf die Verpackung (Dose, Flasche oder Tube) aufgedruckt ist. Der Faktor wird als ganze Zahl angegeben. Die Sonnenschutzfaktoren reichen dabei von 1 bis mittlerweile 30. Ein Faktor 30 gilt als Sonnenblocker. UV-Strahlung im Gebirge
Je höher man sich befindet, umso geringer ist die darüber befindliche Lufthülle und umso weniger wird vor allem UV-A geschwächt. Es lässt sich vereinfacht feststellen, dass die Intensität der UV-Strahlung pro 1 000 Höhenmeter um ca. 6 % zunimmt. Besondere Vorsicht muss im Schnee, auf Gletschern oder auf bzw. am Wasser (Bergseen) geübt werden, da hier, durch Reflektionen bedingt, die Strahlenbelastung durch UV-Strahlung erheblich gesteigert sein kann. UV-Strahlung in Abhängigkeit von der geographischen BreiteDie geographische Breite wächst vom Äquator Je tiefer die Sonne steht, umso größer wird der Weg des Sonnenlichts durch die Atmosphäre und umso mehr wird das UV-Licht geschwächt. So steht die Sonne im Hochsommer, also am 21. Juni, am Äquator 90° über dem Horizont: auf einer Breite von 60° nur noch 53°. Vereinfacht kann man feststellen, dass die UV-Intensität an den Polen bis zu etwa 1/1000 der am Äquator beträgt. Bräunung, PigmentierungDie Bräunung der Haut dient dem Schutz darunterliegender Hautschichten und dabei vor allem dem Schutz der DNA der Zellkerne. Man unterscheidet dabei eine Sofortbräunung (Pigmentierung), die innerhalb von Stunden entsteht und einer Spätpigmentierung SofortpigmentierungIn den unteren Schichten der Epithelschicht der Haut befinden sich u.a. Melanozyten und Keratinozyten. Melanozyten und Keratinozyten sind die beiden wichtigsten Zellarten der Oberhaut. SpätpigmentierungDie Spätpigmentierung besteht - vor allem nach mehreren Sonnenbädern - in einer verstärkten Neubildung des Melanins und dem darauffolgenden Abtransport. Dieser Prozess kann bis zu einigen Tagen betragen. Sonnenstudios, SolarienIn Sonnenstudios wird mit Hilfe geeigneter Lampen UV-Licht künstlich erzeugt. Dabei gibt es Ganzkörperanlagen und solche, die vor allem der Gesichtsbräunung dienen. Mit Hilfe geeigneter Filter kann das Verhältnis von UV-A zu UV-B festgelegt werden. In der Regel wird in den Sonnenstudios überwiegend UV-A zur Bräunung eingesetzt. Auf diese Weise sollen Sonnenbrände vermieden werden. Dadurch geht aber auch der länger anhaltende Bräunungseffekt zurück, so dass die UV-A mit größerer Intensität verabreicht werden muss. Dadurch wird eine Bräunung (Sofortpigmentierung) erzielt. Dies hat aber auch eine Erhöhung der schädigenden Wirkung der Strahlung zur Folge. Außerdem bildet sich nicht die hautschützende Lichtschwiele (= verdickte Hornhaut) aus, die nur über UV-B erzielt werden kann. Es gibt Untersuchungen, nach denen bei bestimmten Personen, das Hautkrebsrisiko erhöht sein kann. Dies ist vor allem bei Personen mit heller Haut oder mit vielen Muttermalen der Fall. Gefährdet sind außerdem Personen, die in ihrer Kindheit unter Sonnenbränden zu leiden hatten. Besonders gefährdet sind, wie bereits erwähnt, Kinder unter 5 Jahren, aber auch für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr besteht ein erhöhtes Risiko. Als Regel gilt, dass pro Jahr nicht mehr als 50 Sonnenbäder ohne Hautrötung genossen werden sollen. Sonnenbäder mit Hautrötung sollten völlig vermieden werden. Diese Zahl gilt für Solarien und für natürliche Sonnenbäder zusammen. Beim Sonnenbaden sollte außerdem auf Deodorants und Kosmetika verzichtet werden. Bestimmte Medikamente erhöhen zudem die UV-Empfindlichkeit. Bei Einnahme von Medikamenten sollte entweder ganz auf Sonnenbäder verzichtet werden, oder aber zumindest vorher ein Arzt konsultiert werden. Photoallergische ReaktionenEine ganze Reihe von Medikamenten führen bei vielen Menschen zu teilweise erheblichen Hautreaktionen, sofern die Betroffenen sich Sonnenstrahlung aussetzen. Es ist eine sehr große Anzahl von Substanzen bekannt, die bei innerlicher oder äußerer Anwendung zu derartigen, durch UV-Strahlung ausgelösten, allergischen Reaktionen führen können. Einige seien beispielhaft vorgestellt:
Die Symptome derartiger allergischer Reaktionen bestehen vor allem in:
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