Seekrankheit, Nausea, Kinetosen
ZusammenfassungUnter Seekrankheit (Nausea) versteht man alle Reaktionen des Menschen auf an sich ungewohnte Bewegungsabläufe vor allem auf Schiffen, in Automobilen, in Flugzeugen oder in der Raumfahrt. Von der Seekrankheit kann jeder betroffen werden, in ca. 90% der Fälle verschwinden die Symptome nach 2-3 Tagen. Der Einsatz von Medikamenten, vor allem zur Vorbeugung, ist unter Experten umstritten- nicht zuletzt wegen der teiweise recht erheblichen Nebenwirkungen. AllgemeinesMedizinisch korrekt müsste von Kinetosen gesprochen werden. Unter Kinetosen versteht man Bewegungskrankheiten, die durch die Bewegung von Verkehrsmitteln, z.B. Automobilen, Schiffen, Eisenbahnen, Flugzeugen oder auch Raumfähren bzw. -stationen hervorgerufen werden. Der Begriff der Seekrankheit stammt ursprunglich von den Reaktionen der Menschen auf die Bewegung von Schiffen. Daher ist die Seekrankheit eine Erscheinung, die so alt ist, wie die Schifffahrt selbst. UrsachenKinetosen werden durch geradlinige Beschleunigungen sowie Radial-, Winkel- und Coriolisbeschleinigungen, die den adäquaten Reiz für das Gleichgewichtsorgan im Innenohr darstellen, ausgelöst. Dabei ist bemerkenswert, dass sich Kinetosen nur bei Menschen mit funktionstüchtigen Gleichgewichtsorganen in beiden Innenohren entwickeln. Die Verarbeitung und Weiterleitung der Reize vom Innenohr zum Hirnstamm aber auch zur Großhirnrinde ist bei Kinetosen gestört. Psychische Einflüsse, wie z.B. Ängste, sollen ebenfalls eine nicht unwesentliche Rolle spielen. BeschwerdenMan kann die Kinetosen nach dem Schweregrad der Beschwerden in 3 Grade einteilen: Leichte Form
Schwerere Form
Schwere Form
Unter Seglern werden diese 3 Stufen etwas humorvoll wie folgt beschrieben:
Glücklicherweise betrifft die schwere Form der Seekrankheit nur etwa 15 bis 20% der Betroffenen. Hinsichtlich der "Seekrankheit" bei Kosmonauten bestehen jedoch Unterschiede in der Beschwerdesymptomatik. Die kosmische Form der Seekrankheit entwickelt sich langsam über mehrere Stunden und verläuft insgesamt protrahiert, das bedeutet, dass sie sich über mehrere Tage erstreckt. Die Symptome sind schwächer ausgeprägt und die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Kosmonauten ist weniger stark eingeschränkt. Nach Aussagen des deutschen Kosmonauten Reinhold Ewald (1997 auf der Mir) haben 70% der Astronauten mit bestimmten Symptomen, wie Antriebsarmut und Übelkeit, zu kämpfen. Eine Gewöhnung ist aber, wie auf Schiffen, nach ca. 2 Tgen zu erwarten. Kleine StatistikWissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 15% der Menschen relativ unempfindlich gegenüber dem Auftreten der Seekrankheit sind, 75% "normal" anfällig und etwa 10% stark anfällig sind. Weiterhin scheint die Anfälligkeit vererbbar zu sein. DiagnoseDie Diagnose ergibt sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, durch die Umstände und vor allem durch die sichtbaren Symptome. BehandlungEs kann zwischen einer nicht-medikamentösen und einer medikamentösen Therapie unterschieden werden. Nicht-medikamentöse TherapieBei den ersten Anzeichen der Reisekrankheit muss reagiert werden. Bei Auto- bzw. Busfahrten sollten die betroffenen Personen unbedingt in Fahrtrichtung geradeaus sehen, gegebenenfalls muss eine Rast eingelegt werden. Auf Schiffen sollte man sich mittschiffs begeben, da dort die wenigsten Bewegungsschwankungen auftreten. Ähnliches gilt auch in Flugzeugen. In der Mitte des Flugzeuges, in Höhe der Flügel, sind Bewegungsschwankungen am wenigsten zu merken. Bei Seereisen sind der Aufenthalt an der frischen Luft und eine leichte Beschäftigung zu empfehlen. Auf Segelbooten sollte man z.B. das Ruder übernehmen und möglichst nicht unter Deck gehen.
Medikamentöse TherapieDie Einnahme von Medikamenten ist unter Fachleuten , vor allem wegen der teilweise erheblichen Nebenwirkungen, stark umstritten. Vorbeugende MaßnahmenMan kann der Reisekrankheit zum einen durch die Einnahme von Medikamenten vorbeugen, die im Kapitel zur Behandlung bereits genannt wurden. Zum anderen kann durch entsprechendes Verhalten der Entwicklung einer Reisekrankheit vorgebeugt werden:
Eine wirksame Prophylaxe soll in spezifischen Trainingsmaßnahmen für das Gleichgewichtsorgan im Innenohr bestehen. Eine Akupunkturbehandlung bereits mehrere Tage vor Reiseantritt soll ebenfalls in der Lage sein, einer Seekrankheit vorzubeugen. VorhersageBei über 90% der gesunden Menschen verschwinden die Symptome der Seekrankheit nach 2 bis 3 Tagen von selber. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen beispielsweise, kann die Seekrankheit in seltenen Fällen sogar zum Tod führen. | |||
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