Flugangst
AllgemeinesAngst ist für das Leben und Überleben des Menschen solange es ihn gibt notwendig gewesen und ist es immer noch. Insofern ist Angst etwas völlig Normales. Jeder Mensch leidet irgendwann bzw. in irgendeiner Situation unter Angst. Dabei ist es allerdings notwendig, zwischen real begründeter und irrealer, also unbegründeter Angst zu unterscheiden. Wer sich bei Windstärke 10 in der Nordsee auf einem Segelboot befindet, wird sicherlich Ängste empfinden und jeder wird das verstehen. Angst vor einer kleinen Katze oder einer Spinne kann nicht mehr als normal angesehen werden, es sei denn, man leidet z.B. unter einer Katzenhaarallergie.
Insofern ist ein gewisses Maß an Sorge und Angst in vielen Situationen des täglichen Lebens durchaus verständlich und normal. Objektive Gefahren beim FliegenNatürlich ist die Wahrscheinlichkeit, beim Fliegen zu verunglücken nicht Null. Jedes Jahr versterben im Durchschnitt 1000 Menschen weltweit an den Folgen von Flugzeugunfällen. Oft ist menschliches Versagen die Ursache, wie z.B. bei dem Beinahunfall einer deutschen Chartermaschine, die auf dem Weg von Kreta nach München war. Nach dem Start auf Kreta konnte der Pilot das Fahrwerk nicht einfahren und flog - was statthaft ist - mit ausgefahrenem Fahrwerk. Dabei ist der Treibstoffverbrauch etwa doppelt so groß wie sonst. In Wien, kurz vor dem Flughafen ging der Maschine der Treibstoff aus und sie landete im Segelflug gerade noch rechtzeitig. Aber ein derartiges Verhalten ist die absolute Ausnahme. Wer beispielsweise auf den Flughäfen in Frankfurt, in New York, in Phoenix/Arizona, in Tokio oder in Bangkok gesehen hat, wie im Minutentakt Maschinen landen und starten, muss feststellen, wie selten es im Verhältnis zu den vielen Flugbewegungen zu Unfällen kommt. Im Jahr 2000 sind rund 0,04 Flugpassagiere pro 100 Millionen Passagierkilometern zu Tode gekommen. Das bedeutet z.B., wenn 100 Menschen insgesamt 100 Millionen Kilometer geflogen sind, dass dabei 4 Personen zu Tode kamen. Diese Zahl im hat sich im Mittel bisher jedes Jahr verringert hat. Diese Zahlen zeigen, das Fliegen außerordentlich sicher ist. So hat es z.B. im Verkehr von und nach Berlin in den letzten 50 Jahren noch keinen einzigen Unfall gegeben. Davor gab es nur einige Unfälle während der Luftbrücke anlässlich der Berlinblockade vom 24.06.1948 bis 12.05.1949. HäufigkeitMan schätzt nach einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass etwa 15% der Deutschen an Flugangst leiden. Weitere 20% fühlen sich beim Fliegen mehr oder weniger unwohl. Also mehr als ein Drittel aller Fluggäste hat ein unerfreuliches Gefühl vor und während des Fliegens. Stewards und Stewardessen schätzen den Anteil ähnlich hoch. SymptomeOft beginnen die ersten Symptome nach der Buchung schon Wochen oder Tage vor dem eigentlichen Flugtermin. Es sind Menschen bekannt, die nicht über den Flug- bzw. Rückflugtermin hinausdenken bzw. planen können, da sie unbewusst nicht an ein Überleben glauben. Oft werden dann die merkwürdigsten Geschehnisse als Zeichen für ein Unglück gedeutet und am liebsten würden viele den Flug wieder absagen. Je nach Ausmaß der Flugangst werden die folgenden Symptome beobachtet. Dabei fehlen natürlich die Reaktionen derjenigen, die vor Angst gar nicht erst fliegen:
Viele der unter Flugangst leidenden Menschen meiden einfach das Fliegen. In der heutigen Zeit sind damit aber teilweise so große berufliche und soziale Nachteile verbunden, dass es kaum möglich ist, sich auf Dauer dem Fliegen zu entziehen. Das Flugzeug ist zum Massenverkehrsmittel geworden; mit steigender Tendenz. Es ist daher erforderlich, etwas gegen die Flugangst zu unternehmen. HilfeDurch die CrewDer Pilot sowie die Kabinencrew können einen beträchtlichen Teil zur Vermeidung bzw. Verringerung von Flugangst beitragen. So teilte der Pilot einer Maschine der British Airways (BA) auf einem Flug von London nach Berlin schon vor dem Start seinen Passagieren mit, dass er sich auf dem Flug freue, dass aufgrund des Wetters ein sehr schöner Flug zu erwarten sei und dass die Maschine besonders sicher sei. Schon ca. 10 Minuten nach dem Start meldete er sich in mehreren Sprachen erneut und erklärte, dass alles Bestens sei. Kurz darauf bewegten sich die Stewardessen sicher und unaufgeregt in der Maschine, sie verteilten Getränke und etwas zu Essen. Nach ca. 1 Stunde meldete sich der Pilot nochmals über Hannover und erklärte, dass in ca. 20 Min. Berlin erreicht sei, dazu erläuterte er, was man links und rechts aus den Fenstern der Maschine sehen könnte. Der FluggastAuch der Flugpassagier kann vor und während des Fluges einiges tun, um seine Flugangst zu begrenzen. Man sollte möglichst früh zum Flughafen gehen, um sich dort mit der Atmosphäre vertraut zu machen und möglichst ein wenig herumbummeln. In der Maschine dann sollte man nach Ablenkungen suchen; so z.B. durch
Besonders intensiv sollte man das dargereichte Essen und Trinken genießen und es so lange wie möglich ausdehnen. Und wenn die Angst zu groß wird, bittet man um einen Besuch im Cockpit, oft erläutert dort ein verständnisvoller Pilot dem Verängstigten die Instrumente und baut damit oft Ängste ab. MedikamenteSollte die Flugangst nicht anders zu unterdrücken sein, ist auch die - unter ärztlicher Beratung - Einnahme von Medikamenten zu empfehlen. Manchmal reicht bereits die Einnahme eines gewissen Quantums an Alkohol. Auch Naturprodukte wie Johanniskraut oder Baldrian sind empfehlenswert. Als "schärfste Waffe" kann der Hausarzt in besonders schlimmen Fällen ist die Einnahme von ca. 2-10 mg Diazepharm (Valium) oder eines verwandten Medikaments verschreiben. BuchtippsRudolf Krefting/ Ahmet Bayaz Helmut Müller-Ortsstein/ Hans-Peter Baumeister Jürgen Heermann | ||||
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